Cranio-Mandibuläre-Dysfunktion (CMD)

Sie wachen morgens auf und sind unausgeschlafen? 

Sie klagen über Kopfschmerzen/Verspannungen, die im Laufe des Tages abklingen?

Vielleicht ist Ihr Kiefergelenk das Problem.

Das Kiefergelenk gehört zu den Gelenken in unserem Körper, die sehr viel Kraft aufbringen können. Daher verwundert es nicht, wenn bei Störungen in eben jenem Gelenk, viele Probleme auftreten, die häufig auch von Fachpersonal falsch interpretiert werden.

Was ist eine Cranio-Mandibuläre-Dysfunktion (CMD)?

Definition: Sammelbegriff für funktionelle Störungen im Bereich des Kiefergelenkes, der eine ganze Reihe an klinischen Symptomen umfasst.

Cranium: Schädel
Os mandibulare: Unterkieferknochen
Dysfunktion: Funktionsstörung

Leitsymptome:

  • Schmerzen und Funktionsstörungen des Kauorgans
  • Oft verschlimmern sich die Beschwerden durch Kauen oder andere Mundbewegungen
  • Einschränkungen und Asymmetrien der Unterkieferbewegungen
  • Kiefergelenksgeräusche wie Knacken und/oder Reiben

Anatomie: 

Das Kiefergelenk (Articulatio temporo-mandibularis) wird gebildet aus:

  • Gelenkkopf am Unterkiefer (Processus condylaris des Os mandibulare)
  • Gelenkpfanne am Schläfenbein (Fossa mandibularis des Os temporale)
  • Dazwischen liegt eine faserknorpelige Scheibe (Discus articularis)
  • Bewegt wird das Gelenk von einigen Muskeln
  • Außerdem gibt es stabilisierende Bänder
  • Bilaminäre Zone (Im hinteren Bereich geht die Gelenkkapsel in diese Zone über. Sie ist eine Bindegewebsschicht mit vielen Blutgefäßen, Nerven und Fettgewebe. So dient sie der Stabilisierung des Discus auf dem Condylus und ist ein wesentlicher Faktor für den Stoffwechsel im Kiefergelenk).

Der Discus koordiniert, dämpft und begleitet jede Kiefergelenksbewegung. Ändert sich die Lage des Discus, so können Gelenkgeräusche, Schmerzen und/oder Bewegungseinschränkungen daraus resultieren.

Symptome:

Bewegungsapparat:

  • Nackensteifigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Migräne
  • Gesichtsschmerzen
  • Verspannungen/Schmerzen im Schulter-Nacken-Bereich (besonders morgens!!!)
  • Blockierungen/Schmerzen an der kompletten Wirbelsäule
  • Blockierungen/Schmerzen im Becken (Iliosakralgelenke-ISG)
  • Kribbeln/Taubheitsgefühle der Finger

Augen/Ohren:

  • Sehstörungen, Augenflimmern
  • Schmerzen hinter dem Auge
  • Doppelbilder
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Ohrenschmerzen
  • Hörminderung

Zähne/Kiefergelenk:

  • Zähneknirschen (Bruxismus)
  • Kieferknacken, Reibegeräusche
  • Schmerzen/Verspannungen im Kiefergelenksbereich (speziell morgens oder nach dem Essen!!!)
  • „Zähne passen nicht mehr aufeinander“
  • Schleifspuren an den Zähnen (Abrasio dentis)
  • überempfindliche oder schmerzende Zähne
  • Probleme beim Kauen
  • Veränderte Mundbewegungen (Öffnen/Schließen des Mundes gestört, Seitabweichungen)
  • Zahndefekte
  • Taubheitsgefühle im Mundbereich
  • Zungenschmerzen
  • Zahnabdrücke auf der Zunge (Dellen)
  • Verletzungen der Zunge/Wange

Sonstige:

  • Schwindel
  • Gleichgewichtsstörungen
  • nicht erholsamer Schlaf
  • Schluckbeschwerden (Kloßgefühl im Hals)
  • Stimmungsschwankungen

Ursachen für CMD:

  • Bruxismus (Knirschen/Pressen)
  • Okklusionsstörungen (Veränderungen im Biss z.B. durch fehlende Zähne, zu hoch/tief sitzende Brücken, Kronen,…)
  • Fehlhaltung der Halswirbelsäule
  • Unfälle, Brüche (Kiefer, Gesicht, Halswirbelsäule, Schläge auf das Kinn,…)
  • OP´s im Kopf-und/oder Halsbereich
  • übermäßiges Kauen auf Fingernägeln, Kaugummi,…
  • Verlagerungen des Discus in der Gelenkpfanne
  • Systemische Erkrankungen (Polyarthitis, Rheuma,…)
  • angeborene Defekte des Kiefergelenkes
  • langanhaltendes Öffnen des Mundes beim Zahnarzt (z.B. bei einer Zahnreinigung)
  • nach Intubationsnarkosen

Bruxismus (Knirschen/Pressen):

Stress stellt im allgemeinen die Hauptursache für Bruxismus dar.

Die Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf den Faktor Stress. Die einen bekommen Verspannungen an der Wirbelsäule, die anderen Magen-Darm-Beschwerden und die nächsten knirschen mit den Zähnen. Manche Studien kommen auf 10-20% der Bevölkerung, die an CMD leiden. Tendenz steigend.

Das Knirschen/Pressen erzeugt über Stunden hinweg eine unphysiologisch hohe Belastung auf das Kiefergelenk. Der normale Anpressdruck beim Kauen ist bei weitem nicht so groß, wie der Druck beim Knirschen/Pressen. Normalerweise berühren sich die Zähne nicht; es gibt also eigentlich immer einen kleinen Spalt zwischen den Zähnen. Beim Kauen der Nahrung sind die Zähne normalerweise nur einige Sekunden aufeinander. Für die eigentliche Kaubewegung des Kiefergelenkes brauchen wir täglich gerade einmal 15 Minuten den Kontakt der Zähne. Für den Rest des Tages sollten sich die Zähne nicht berühren. So könnten sich auch die Muskeln wieder erholen. Dies ist allerdings beim Bruxismus nicht möglich. Es kommt somit zu muskulären Überlastungen mit den oben genannten Folgen. (Überlastung der Muskeln, Überbeanspruchung des Kiefergelenkes, Schädigung der Zähne und/oder des Discus.)

Die ersten sichtbaren Stellen an den Zähnen sind meist die Eckzahnspitzen und die Schneidekanten der Frontzähne. Patienten, die knirschen, wissen dies häufig gar nicht. Manchmal fällt es nachts dem Lebenspartner auf.

Da der Faktor Stress eine große Bedeutung beim Bruxismus hat, ist Knirschen in stressigen Zeiten (z.B. Prüfungsphasen) keine Seltenheit.

mögliche Gründe hierfür:

  • Einschlafen mit einem erhöhten Stresslevel
  • weniger Schlaf wegen des Lernstresses
  • weniger Treffen mit Freunden oder Sport zum Ablenken vom Stress
  • oft minderwertige Ernährung (Fast-Food)

Nachts werden unsere Erlebnisse des Tages im Traum verarbeitet. Wenn wir tagsüber Stress erlebt haben, schlafen wir häufig auch mit einem höheren Stresslevel ein. Dies führt zu Knirschen/Pressen. Diese Kräfte bleiben allerdings nicht auf das Kiefergelenk beschränkt. Sie werden im kompletten Körper verteilt, was die oben aufgeführten Symptome erklärt.

Das Thema Stress und Zähne kommt auch oft in Sprichwörter oder Redewendungen vor:

  • „sich durch etwas durchbeißen“
  • „Die Zähne zusammenbeißen“
  • „zähneknirschend Dinge erledigen“

Neben dem bereits erwähnten Stress gibt es noch weitere Risikofaktoren für Bruxismus:

  • schlafbedingte Atmungsstörungen (Schlafapnoe, Schnarchen)
  • Nikotin
  • Koffein
  • Alkohol
  • bestimmte Medikamente

Mögliche Pathologien:

  • Geräusche des Kiefergelenkes
  • Einschränkung beim Öffnen des Mundes
  • Discusverlagerungen
  • Kiefergelenksarthrosen

Geräusche des Kiefergelenkes:

Geräusche des Kiefergelenkes (Knacken) stellen primär keine Behandlungsindikationen dar und müssen nicht behandelt werden. Kommen aber noch weitere Symptome wie Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen dazu, sollte über eine Therapie nachgedacht werden. Die Geräusche entstehen, wenn der Discus bei Bewegung des Kiefergelenkes einen Rand überwindet und über diese Stelle hinweg rutscht. Sind im Kiefergelenk Reibegeräusche zu hören, deutet dieser Befund eher auf einen unphysiologischen Kontakt von Knochen auf Knochen hin (Kiefergelenksarthrose). Dies ist meist die Folge einer jahrelangen CMD.

Einschränkungen bei der Mundöffnung fallen dem Patient relativ schnell auf. Mögliche Ursachen hierfür:

  • Lageveränderungen des Discus
  • verspannte Kiefermuskeln
  • Entzündungen im Kiefer/Gesichtsbereich
  • Arthrosen im Kiefergelenk

Discusverlagerungen:

Bei der Veränderung seiner Lage rutscht der Discus bei geschlossenem Mund meist nach vorne vor den Gelenkkopf. Dies ist möglich, wenn der Halteapparat an der sogenannten bilaminären Zone „ausgeleiert“ bzw. gerissen ist oder wenn einer der Kiefergelenksmuskeln permanent von vorne am Discus zieht. Meistens springt der Discus bei der Mundöffnung aber wieder mit einem Knacken auf den Gelenkkopf auf (Discusverlagerung mit Reposition). Dies kann eine kurzfristige Blockierung verursachen. Springt der Discus bei der Öffnung des Mundes nicht wieder auf den Gelenkkopf auf, kommt es zu einer schmerzhaften Blockierung der Mundöffnung (Discusverlagerung ohne Reposition). Meist hat sich dann der Discus eingeklemmt. Um ein Gelenk wirklich zu luxieren („auszurenken“), wie es der Volksmund gerne beschreibt, braucht man in der Regel eine direkte Gewalteinwirkung auf das Gelenk. Ein fachkundiger Arzt, Osteopath oder Physiotherapeut kann versuchen, das Problem mit manualtechnischen Griffen wieder zu beheben.

Arthrose im Kiefergelenk:

Dies bedeutet eine Verminderung des Gelenkknorpels und im Endstadium auch eine Veränderung des darunter liegenden Knochens. Das führt zu Entzündungsprozessen und Schmerzen durch das Reiben der beiden Knochen aufeinander. Schienen, Medikamente und Therapeutische Behandlungen können die Beschwerden lindern.

Behandlung der CMD:

Die Behandlung ist nicht von einer einzelnen Person zu leisten. An einer erfolgreichen CMD-Behandlung ist meist ein interdisziplinäres Team aus Zahnärzten, Kieferorthopäden, Osteopathen und Physiotherapeuten beteiligt. Außerdem muß der Patient selbst aktiv werden und mithelfen. Besteht eine CMD über Jahre, verschwindet sie auch nicht nach 2 Behandlungen.

  • Anamnese (Erfragung der Krankengeschichte und der aktuellen Beschwerden)
  • Klinische Funktionsanalyse:
    • Ermittlung der Ursachen/Diagnosestellung durch den Arzt
    • Dokumentation über Ausmaß der Funktionsstörung und Schmerzen
    • Kontrolle Kiefergelenksbewegung
    • Überprüfung der Zahnkontaktverhältnisse zueinander (Okklusion). Ist der Biss nicht korrekt, kann das Gelenk nicht richtig arbeiten.
    • Palpation der Kiefergelenksmuskeln
    • Bildgebende Verfahren (Röntgen, CT, MRT,…)
  • eigentliche Behandlung:
    • Entspannung der verhärteten Muskeln (Triggerpunkte)
    • Mobilisierung der eingeschränkten Gelenkbewegungen
    • Statikuntersuchung (Statikprobleme des Patienten können die Stellung der Kiefergelenke verändern und somit den Biss.)
    • Anleiten zum koordinierten Kauen
    • Thermotherapie (Wärme/Kälte)
    • Okklusionsschienen können in vielen Fällen eine deutliche Linderung bringen. Der Sitz muß regelmäßig vom Arzt kontrolliert werden.
    • Medikamentöse Therapie

Untersuchungen mit technischen Instrumenten ermitteln Störungen im Bereich der Zahnkontakte und Kiefergelenksposition (Okklusion). In diesem Rahmen werden hochpräzise Zahnmodelle erstellt und mittels Gesichtsbogen und spezieller Bissregistrate in einen Artikulator eingesetzt. Dies ermöglicht eine Analyse der Zahnkontakte in verschiedenen Kieferpositionen (Okklusionsanalyse). Dadurch können die Kontakte der Zähne bei normalem Zusammenbiss und optimaler Lage der Kiefergelenke (Zentrik) analysiert werden (Okklusionsgestütze Schienentherapie).

Im Allgemeinen sollten zuerst reversible Behandlungsmethoden angewandt werden (Osteopathie, Physiotherapie, Schienen,…). Irreversible Behandlungen (Zahnersatz, kieferchirurgische Eingriffe,…) sollten nur zum Einsatz kommen, wenn vorher mit reversiblen Behandlungen vorbehandelt wurde und es zu keinem guten Ergebniss gekommen ist und weiterhin die Gefahr von Zahnsubstanzverlust durch CMD besteht.

Was kann ich als Patient selbst tun?

  • bei akuten Schmerzen keine harte Nahrung kauen (Steak, Brötchen,…)
  • kein Kaugummi
  • keine Dinge abbeißen
  • tägliche Verhaltenskontrolle alle 30 Min. z.B. über eine Erinnerung im Handy. Zähne sollen sich nur beim Kauen berühren. Sonst nicht. Aktives Lösen der Zähne voneinander.
  • Selbstmassage der Kiefermuskeln
  • aktive Muskelübungen vor dem Spiegel durch Physiotherapeut angeleitet
  • Stressabbau (autogenes Training, Sauna, Massage, Sport, progressive Muskelentspannung,…)
  • Schlafhygiene (1 Stunde vor dem Schlafen keine Elektrogeräte wie TV, PC, Handy,… benutzen. Dies fördert ein entspannteres Einschlafen.)
  • Thermotherapie (Wärme/Kälte)
  • Sollte Ihr Schlafverhalten Ihre Beschwerden auslösen z.B. schlafen auf dem Bauch oder in Seitenlage, könnte der Versuch unternommen werden, auf dem Rücken zu schlafen.

Kommen Sie zu uns!

Wir kümmern uns um Ihr Kiefergelenk!

Praxis für Osteopathie Schwinn-Lauer
Weißkreuzstrasse 9
66740 Saarlouis
06831/5086606

http://www.schwinn-lauer.de

 

Quellen:
DGZMK (Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund-, Kieferheilkunde)
DGFDT (Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und Therapie)

 

 

 

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